Ausgerufen wurde die Blogparade von der guten Anne von Nerderlei. Den genauen Aufruf und auch die bisher eingereichten Beiträge findet ihr hier auf ihrer Seite. Das Thema: „Welche fiktionalen Werke haben Dich und Dein Leben am meisten geprägt und warum?“

Als ich auf Annes Parade aufmerksam wurde, wusste ich gleich, dass ich daran teilnehme wollte. Das Thema klang einfach super spannend. Allerdings musste ich auch erstmal eine Weile darüber grübeln, welche Werke mich wirklich tief beeinflussten. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto sicherer wurde ich mir.

Daher kommen jetzt ohne weitere Umschweife die vier wichtigsten Werken in meinem Leben und zwar in der Reihenfolge, in der wir zueinander fanden.

Matrix: Als die Philosophie in mein Leben trat

Ich war 12 Jahre alt, als ich das erste Mal Matrix auf DVD sah. Das Kuriose dabei: Es war auf einem Kindergeburtstag und der Film lief eigentlich nur nebenbei, da meine Kumpels die Kämpfe daran so „cool“ fanden. Doch ich war so gebannt von dem Protagonisten Neo, der unwissend sein Dasein in einer virtuellen Welt fristet, dass ich meine Freunde völlig ignorierte. Zwar konnte ich den Film dort nicht zu Ende sehen, aber ich besorgte ihn mir so schnell wie möglich und saugte ihn völlig in mir auf.   

Matrix hat vieles neu gemacht, aber drei Punkte haben mich besonders fasziniert:

  1. Als erstes natürlich die sehr ästhetische Kampfkunst inklusive der Zeitlupen-Effekte. Slow Motion gab es zwar auch vorher, aber nie in einer so wunderschönen Form. So wirken die Kämpfe oft schon wie perfekt inszenierte Balletaufführungen. Vor allem da Neo und seine Mitstreiter während der Kampfhandlungen kaum Emotionen zeigen. Doch das eigentlich Faszinierende daran war die Erkenntnis, dass diese überstilisierten Choreographien perfekt in die fiktive Welt passen und auch Sinn ergeben. Denn in der Matrix kann jeder Mensch, der weiß, dass er sich gerade in ihr befindet, die Gesetze der Physik beugen und somit zum Superhelden werden. Neo kann somit eine Schießerei ohne einen eigenen Kratzer verlassen, ohne dass es zu einem Logik-Problem innerhalb der Geschichte kommt. Ein perfektes World-Building also.  
  2. Matrix war wohl der erste Streifen, der meine Begeisterung für das Thema Film weckte. Zwar liebte ich es schon immer, die DVD-Sammlung meiner Eltern zu plündern, aber Matrix zeigte mir eine neue Ebene: das Handwerk. Hier möchte ich nur das Beispiel Color Grading nennen. Vorher war es mir nicht bewusst, wie Farben auf einen Film wirken können. Doch hier wurden die reale und die virtuelle Welt unterschiedlich coloriert und erzeugen daher eine ganz eigene Stimmung. Immer wenn die Figuren sich in der Matrix befinden, liegt ein Grünstich über dem Bild. So wirkt die digitale Welt fremd, giftig und feindselig auf den Zuschauer, ohne dass er es bewusst wahrnimmt. Die reale Welt hingegen ist in Blau gehalten, was sie kalt und unbarmherzig erscheinen lässt. Und in der Tat: Selbst die Figuren bemängeln die Situation in der realen Welt. Sie beklagen die ewige Kälte, das ekelhafte Essen und einige stellen sich auch die Frage, warum sie nicht in der Matrix geblieben sind. Sie hätten zwar dann nicht die Wahrheit über ihr Leben gekannt, wären aber wahrscheinlich viel glücklicher. „Unwissenheit ist ein Segen“, wie ein Verräter im Film diese Situation bezeichnet.
  3. Und natürlich ist Matrix Philosophie in Reinform und verpackt eine alte philosophische Frage in einen sehenswerten Blockbuster. Jeder, der den Film gesehen hat, musste wahrscheinlich darüber nachdenken, ob er nicht vielleicht auch in einer Matrix lebt. Doch die traurige Erkenntnis daraus: Wir können uns da niemals sicher sein. Es kann sein, dass alles nur eine Illusion ist und die physische Welt um uns herum nur eine Einbildung ist oder eine höhere Macht uns zu täuschen versucht. Diese Problem hatte bereits der Philosoph René Descartes im 15. Jahrhundert erkannt und stellte fest, dass wir uns nur über eine Sache wirklich sicher sein können: Wir denken, also müssen wir existieren. Wo, wie und wann können wir aber nie mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Dank des Films widmete ich mich als 12 Jähriger schon solchen Überlegungen und er öffnete in mir das Interesse an Philosophie.

Kurzum: Matrix war der Grund, warum ich mich bis heute fürs Kino, gut erzählten Geschichten und die Philosophie begeistere.

Ghost in the Shell: „She’s incredible math“

Es kam wie es kommen musste: Von 2009 bis 2013 studierte ich Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Und wenn ich mein Studium auf eine Sache reduzieren müsste, dann wäre es „Ghost in the Shell“. Nicht den Manga, wie man bei einem Literatur-Studenten vielleicht erwarten würde, sondern die Filme und die Serie.

Alles begann mit dem ersten Film aus dem Jahr 1995. Ein ruhiger, wunderbar gezeichneter Anime, der auf dem gleichnamigen Manga basiert. In dem Streifen begleiten wir in einer melancholischen Grundstimmung Major Motoko Kusanagi – ein Cyborg einer Spezialeinheit des japanischen Innenministeriums – durch ein futuristisches Tokyo im Jahr 2029. Biotechnische Verbesserungen des Körpers sind normal geworden und die Menschen, die kein Implantat besitzen, kann man nur selten antreffen.

Und trotz der digitalisierten Welt stellt Motoko etwas besonderes dar: Denn im Gegensatz zu allen anderen Menschen besteht ihr ganzer Körper bis auf wenige Zellen in ihrem Gehirn komplett aus Metall. Das macht sie äußerlich zwar zu einer Kampfmaschine, doch innerlich fragt sie sich, ob sie überhaupt noch ein Mensch sei.

Was bedeutet Menschsein?

Doch um diese Frage zu beantworten, muss man erstmal wissen, was einen Mensch ausmacht. Sind es die Summe seiner Erinnerungen? Seine Gefühle? Sein Bewusstsein? Das weiß aber weder Motoko noch alle anderen Figuren, sondern sie können nur darüber philosophieren. Zwar kann und will der Film diese Frage auch nicht beantworten, doch das ist das Spannende daran: Man muss selber seine grauen Zellen anstrengen.

Die Serie „Ghost in the Shell – Stand Alone Complex“ spinnt die Frage nach dem Menschsein noch weiter und diskutiert auch ethische Themen, die heute aktueller denn je sind. Welche moralische Verantwortung haben wir in einer sich immer weiter digitalisierende Welt? Ist die Biotechnik Fluch oder Segen? Das macht die Serie stets ohne erhobenen Zeigefinger, sondern die Figuren finden sich einfach in einer Situation wieder, die diese Fragen aufwirft.

Die süße Melancholie

Doch warum mir die Serie bis heute so präsent im Kopf geblieben ist, ist der Song „Lithium Flower“ von Scott Matthew, der während des Abspanns einer jeden Folge läuft. Nicht nur löst er bei mir regelmäßig einen Ohrwurm aus, er beinhaltet auch die schönste Beschreibung, die man für eine Maschine haben kann:

She’s incredible math […]
A waking lithium flower. 

Der Song, der Film und die Serie begleiteten mich mit ihrer melancholischen Grundstimmung durch mein gesamtes Studium. Das mag jetzt kein gravierender Einschnitt in mein Leben gewesen sein, aber sobald ich eines davon sehe oder höre, versetzt sie mich wieder in diese Zeit zurück. Eine Zeit, in der ich mehr über mich selber lernte als jemals wieder.  

V wie Vendetta: Freiheit im Kopf

Eines der vielschichtigsten Werke, das ich je gelesen habe, ist der Comic V wie Vendetta von Alan Moore und David Lloyd. Die Graphic Novel spielt in einem alternativen England im Jahr 1997. Nach dem Dritten Weltkrieg verwandelte sich das Land in einen faschistischen Staat und die Regierung begann damit, Minderheiten in Konzentrationslagern zu vernichten und einen Überwachungsapparat zu installieren. Doch Protagonist V leistet Widerstand und bringt nach und nach wichtige Personen und Institutionen des Systems durch Intelligenz, aber auch durch Gewalt zu Fall.

Das Besondere an ihm: Der Leser sieht niemals sein Gesicht, da er es unter einer Guy Fawkes Maske verbirgt und diese auch niemals abnimmt. Diese Maske wird im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einem Synonym für eine Idee: die Idee der Freiheit.

Denn V ist wie sein historisches Vorbild Guy Fawkes ein Anarchist und auch ein Terrorist, der das Volk dazu verleiten möchte, sich selber von den Ketten der Unterdrückung zu befreien. So setzt V unter anderem das in die Tat um, an dem Fawkes im Jahre 1605 scheiterte: Er sprengt das Britische Parlament in die Luft.

„Hat dieser Typ recht? Oder ist er verrückt?“

Wie hat mich das Werk jetzt geprägt? Nein, ich trage keine Maske und reiße auch keine Gebäude ein. V wie Vendetta zeigt für mich viel mehr, dass es immer mehrere Perspektiven gibt und auch wenn V die Freiheit verkörpert, erreicht er nur sein Ziel mit Gewalt. Auch vor Folter schreckt der Freiheitskämpfer nicht zurück, um unschuldige Personen auf seine Seite zu ziehen. Gleichzeitig klingt bei ihm Anarchie erstrebenswert – also eine Welt ohne jegliche Mächte, die einen unterdrücken können – und es ist dennoch fraglich, ob so eine Welt überhaupt möglich ist.

Ich musste eine lange Zeit darüber nachdenken, was ich von V und der Situation halten sollte. Schließlich kann ich Vs Mittel nicht heiligen, andererseits auch nicht das faschistische System. Beide Seiten sind falsch und wahrscheinlich liegt eine Lösung irgendwo in der Mitte. Und darüber denke ich bis heute nach, womit Autor Allan Moore sein Ziel wohl erreicht hat:

„Die Kernfrage ist: Hat dieser Typ recht? Oder ist er verrückt? Was denkst du, Leser, darüber? Das erschien mir als der richtige anarchistische Weg: Ich wollte den Menschen nicht sagen, was sie denken sollen. Ich wollte ihnen nur sagen, dass sie denken sollen […].“ – Quelle: Spiegel Online

Watchmen: Auch Superhelden sind nur Menschen

Welches Bild haben wir im Kopf, wenn wir an Superhelden denken? Vermutlich denken wir an durchtrainierte Bodybuilder, die ihre Unterhose über der Hose tragen. Oder wir denken an Übermenschen, die fliegen können und kugelsicher sind. In unserer Popkultur sind Superhelden zu unsere neuen Götter geworden. Mit Mächten, die wir Normalos niemals haben werden. Götter, die immer im Guten handeln, um uns – die Schwachen – zu beschützen und deren Geschichten immer mit einem Happy End verbunden sind.

Die Watchmen im gleichnamigen Comic machen es anders. Hier präsentieren uns Autor Alan Moore (ja, der selbe wie bei V wie Vendetta) und Zeichner Dave Gibbons eine schlechte Welt, in der noch schlechtere Helden leben. So bekämpfen sie zwar Verbrechen, aber schrecken dabei nicht vor Selbstjustiz, Brutalität, Folter und auch Massenmord zurück.

Teilweise fungieren sie als Handlanger der Regierung, teilweise sind ihre Heldentaten nur ein Mittel zur Selbstdarstellung. Aber im Großen und Ganzen bleiben sie während der gesamten Graphic Novels nur eins: gebrochene Charaktere. 

„Who watches the watchmen?“
„Wer wacht über die Wächter?“

In Watchmen gibt es also kein Gut-Böse-Schema … so wie im richtigen Leben. Eine Lehre, die ich daraus gezogen habe und die ich leider immer wieder bestätigt sehe. Denn selbst im WWF und bei der Polizei – zwei Institutionen, die die Welt eigentlich besser machen sollte – passieren viele fragwürdige Dinge. Nicht weil es gewollt ist, sondern einfach weil da Menschen arbeiten. 

Das klang jetzt vielleicht sehr pessimistisch, aber eigentlich ist das was sehr Postives. Denn es bedeutet erstmal nur, dass ich alles kritisch hinterfragen kann und sollte – auch wenn es dann Superhelden sind, die ich kritisieren muss. Denn ihr Status macht sie nicht automatisch zu guten Menschen.

Aber auch im alltäglichen Leben finden sich immer wieder Situationen, die niemand hinnehmen muss. Beispielsweise wenn ein Chef Dinge Dinge von einem einfordert, die man selber für falsch hält. Nur aufgrund seiner höheren Stellung heißt es nicht, dass er Recht hat.

Das habe ich für mich akzeptiert und ich versuche es seitdem jeden Tag in meinem Leben umzusetzen. Denn immer wenn mir eine Situation missfällt, spreche ich sie an und habe da auch die Erfahrung gemacht, dass das oft schon hilft. Denn meistens denken die Leute darüber nicht bewusst nach und ein offenes und ehrliches Gespräch verändert so einiges. Und wenn alle Beteiligten auch wirklich einen positiven Ausgang erreichen möchten, dann findet sich immer eine Lösung.  

Wer wacht über die Wächter? Wir müssen es selber machen!

Fazit & Sponsor

Das war mein Beitrag zur Blogparade von Nerderlei zum Thema „Welche fiktionalen Werke haben Dich und Dein Leben am meisten geprägt und warum?“. Wenn ihr jetzt wissen wollt, welche Werke meine Blogger-Kollegen gewählt haben, schaut hier vorbei und scrollt runter zu den Kommentaren. Dort wurden alle Beiträge der Blogparade verlinkt.

Zum Schluss möchte ich auch noch auf den Sponsor der Parade aufmerksam machen: Elbenwald – der Online-Shop für nerdiges Merchandise. Von Marvels Avengers bis zu Herr der Ringe könnt ihr euch dort mit allerhand fantastischem Fan-Artikeln eindecken. Elbenwald steuerte die Preise für diese Blogparade bei, die aus T-Shirts und Tickets für das Elbenwald Festival bestehe. Wer das letztendlich gewinnt, entscheidet Anne von Nerderlei.      

Mein Hund Kusko mag meine Auswahl. Wie schaut es bei euch aus? Welche Werke haben euer Leben geprägt. Schreibt es mir in die Kommentare.

Teile diesen Beitrag! Kostet dich nichts und hilft mir sehr.

Schreibe einen Kommentar