Die Geschichte von Karl Denke spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in Münsterberg im preußischen Landkreis Schlesien. In der beschaulichen Kreisstadt, die mittlerweile zu Polen gehört, lebte einst ein alter Mann. Ein Mann, der unter seinen Nachbarn zwar als ein wenig schrullig, aber im Gesamten als harmlos und auch als Wohltäter galt. Immer wieder spendierte er Obdachlosen und Wandergesellen eine Mahlzeit und engagierte sich eine Zeit lang in der evangelischen Gemeinde als Bälgetreter und Kreuzträger.

Kannibalismus in der Nachbarschaft: Karl Denke lädt zu sich ein

Karl Denke: Sein Haus in Münsterberg
In dieses Haus in Münsterberg lockte Karl Denke seine Opfer. 

Eines Tages – genauer am 21. Dezember 1924 – klopfte der obdachlose Wanderarbeiter Vincenz Olivier an Denkes Haustür und bat den 64-Jährigen um eine Spende. Karl Denke musterte ihn einen Moment und machte dem Obdachlosen dann einen Vorschlag: Er kriege 20 Pfennige von dem bärtigen Alten, wenn er ein paar Zeilen für ihn niederschreibe. Für Olivier klang das nach leicht verdientem Geld und er willigte ein.

Gemeinsam betraten sie die Wohnung und der Wanderarbeiter bekam Stift und Zettel in die Hand gedrückt. Dort setzte er sich an den Esstisch, schob den Zettel zurecht und setzte den Stift an. Doch statt Worte bekam er Schläge. Denn der alte Mann attackierte ihn plötzlich von hinten mit einer Spitzhacke und verletzte ihn am Kopf. Blut rann an Oliviers Wangen herunter und nur weil Karl Denke ihm beim ersten Versuch nicht richtig erwischte, überlebte er den hinterhältigen Mordversuch.

Ein wenig benommen stürzte Olivier sich auf seinen Angreifer und rang mit ihm um die Hacke. Schließlich konnte er sie ihm entreißen und rannte blutüberströmt auf die Straße. Er schrie um Hilfe. Er schrie, dass ein Verrückter hinter ihm her sei. Ein Verrückter, der ihn umbringen wolle.

Da sich der Vorfall am hellichten Tag ereignete, kamen sofort die Nachbarn herangeeilt und begutachten den Landstreicher, der panisch die Geschehnisse rekapitulierte. Doch die Münsterberger glaubten dem Mann trotz der klaffenden Kopfverletzung kein Wort und bezeichneten den Geschundenen als Lügner. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ihr hilfsbereiter Nachbar zu so etwas fähig sein sollte. Zu liebevoll war der alte Mann, den sie aufgrund seiner Art such gerne Papa Denke nannten.

Stattdessen beschuldigten sie Olivier der Landstreicherei und als die Polizei eintraf, nahmen sie nicht Karl Denke mit, sondern den verletzten Vincenz Olivier. Niemand wollte dem Opfer glauben.

Niemand, bis auf der Richter. Dieser hielt die Schilderungen zumindest soweit für plausibel, dass er Karl Denke ebenfalls in Gewahrsam nehmen ließ – unter großen Protesten seiner Nachbarn. Sie gingen immer noch davon aus, dass ihr Papa Denke so eine Tat niemals begehen könne und empfanden das Vorgehen des Richters als große Ungerechtigeit. Eine Ungerechtigkeit, die sich sicherlich schnell beheben würde, wenn der alte Mann erst einmal verhört würde. 

Doch zu diesem Verhör kam es nicht mehr. Denn überraschenderweise erhängte sich Karl Denke noch am selben Tag in seiner Zelle, noch bevor jemand mit ihm reden konnte. Warum er das tat, konnte sich bis dahin niemand erklären. Für alle Beteiligten kam der Suizid aus dem Nichts.

In finsteren Abgründen: Die Polizei durchsucht das Haus von Karl Denke

Karl Denke sammelte die Knochen seiner Opfer
Rund 480 Knochen stelle die Polizei in Karl Denkes Wohnung sicher. Das Fleisch dazu lagerte in einem Fass.

Die Polizei durchsuchte daraufhin das Haus des alten Mannes und machte dabei eine schreckliche Entdeckung: gepökeltes Menschenfleisch. Überall im Haus lag es herum. In der Küche, im Schlafzimmer. Auch entdeckten die Beamten Blut zwischen den Dielen, das bereits getrocknet war.

Während den polizeilichen Untersuchungen stellte sich schnell heraus, was geschehen war: Der scheinbar harmlose Mann lockte Landstreicher und Obdachlose in sein Haus, erschlug sie mit seiner Spitzhacke, puhlte ihnen anschließend das Fleisch von den Knochen und aß es entweder gleich oder legte es in Salzlake ein. So konnte Denke die Toten haltbar machen und sich über einen längeren Zeitraum von ihnen ernähren. Das Fass, in dem Karl Denke das Fleisch pökelte, stand direkt neben seinem Bett. Das hatte ihm aber scheinbar nicht den Schlaf geraubt.

Zudem fanden die Polizisten in seinem Gartenhaus 420 Zähne, 480 Knochen und Hautreste, aus denen der alte Mann Hosenträger und Schnüre fertigte. Letztere hatte er dann in Weidenkörben verarbeitet, die er auf dem Markt verkaufte.

Kannibalismus und Bürokratie: Die akribische Dokumentation der Morde

Karl Denke: Das letzte Foto von dem Serienmörder und Kannibale
Das letzte Foto von Karl Denke. Aufgenommen kurz nach seinem Suizid.

Als der Polizei klar wurde, dass es sich hierbei um einen Serienmörder handelt, blieb nur noch die Frage offen, wie viele Menschen der Kannibale tötete. Ein Rätsel, das sie wahrscheinlich nie hätten lösen können, wenn Karl Denke ihnen nicht selber die Anwort geliefert hätte. Wie ein Bürokrat dokumentierte er in ein Notizbuch akribisch seine Tötungen – inklusive Datum, Namen der Opfer und ihr Gewicht.

Insgesamt 30 Menschen, zumeist Männer über 40 Jahre, hatte er gemeuchelt, geschlachtet und später gegessen. Über 20 Jahre lang dokumentierte er seine Morde, doch ob er bereits vorher sich dem Morden und dem Kannibalismus hingab, konnte nicht einwandfrei geklärt werden. Vielleicht begann er erst später damit, seine Schlachtungen zu dokumentieren.

Außerdem bleibt sein Motiv bis heute unklar. Denn im Gegensatz zu dem deutschen Serienmörder Fritz Haarmann, der zwei Tage zuvor zum Tode verurteilt wurde, konnte Karl Denke niemals zu seinen Taten Stellung nehmen. Ob er nun aus sexuellen Bewegründen wie Haarmann oder zur Nahrungsaufnahme tötete, lässt sich nicht mehr ermitteln. Schließlich waren die Zeiten um den Ersten Weltkrieg herum hart, vor allem in den kalten Wintermonaten wie dem Dezember.

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